Presse


Berliner Zeitung | 17.04.2004

Polizeipräsident rechnet mit Arbeit am 1. Mai

Mehr Ausschreitungen als in den Vorjahren erwartet


Die Berliner Polizei rechnet am 1. Mai mit schwereren Krawallen als bisher. "Die Ausschreitungen könnten noch etwas stärker sein als in den vergangenen Jahren", sagte Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch am Freitag. Es habe in den vergangenen Monaten "etwas mehr Aktionismus" in der linken Szene gegeben, die sich zudem um Einigkeit bemühe. Ein weiterer Grund könnten die internationalen politischen Ereignisse vor dem Wochenende sein, wie die OSZE-Konferenz, der Besuch des israelischen Staatspräsidenten Moshe Katzav und die Feier zur EU-Osterweiterung. Glietsch betonte, Anlass zur Sorge bestünde nicht. Die Polizei habe sich seit Monaten intensiv auf die Tage vorbereitet. Zwischen 7 500 und 8 000 Polizisten und Beamte des Bundesgrenzschutzes aus ganz Deutschland sollen im Einsatz sein, die Zahl werde gegenüber den vergangenen Jahren nur leicht erhöht.

Sofort einschreiten

Längere Ausschreitungen von Autonomen und Jugendlichen, bei denen die Polizei nicht eingreift, dürfe es in diesem Jahr nicht geben, sagte Glietsch: Im vergangenen Jahr hatte die Polizei etwa eine halbe Stunde nicht eingegriffen, als Randalierer mehrere Autos anzündeten und sämtliche Scheiben eines Autohauses einwarfen. "Wir haben das taktische Konzept etwas verändert", sagte Glietsch. Einzelheiten wolle er aber nicht bekannt geben. Die Polizeiführer vor Ort hätten aber umfangreiche Kompetenzen für eigenständige Befehle, und die Erwartungen an sie würden vorher deutlich gemacht, "damit keine Missverständnisse entstehen". Am 1. Mai gab es in Berlin seit 1987 jedes Jahr heftige Krawalle und gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Senat und Polizei kündigten an, weiterhin auf die Kombination von verstärkter Prävention und konsequenten Durchgreifen gegen Störer und Straftäter zu setzen. (dpa)