Presse


Neues Deutschland | 23.04.2004

Revolutions-Demo quer durch das Myfest?

Streit um Aufzugs-Route/Bürgermeisterin Reinauer geht von Kompromiss aus


Von Rainer Funke

Ein Streit prägt derzeit die Vorbereitungen auf den 1. Mai: Die Polizei hat der abendlichen Revolutions-Demo, die vom neuen linken Bündnis "act" angeführt wird, ihren alljährlichen Marsch durch Kreuzberg offenbar mit Wissen des Bezirksamtes untersagt. Begründung: Die Straßen seien mit dem Myfest belegt. Zwar hatte Bezirksbürgermeisterin Cornelia Reinauer (PDS) gestern vor der Presse Aufmärsche mit politischem Hintergrund in Kreuzberg ausdrücklich als erwünscht bezeichnet. Bei "act" glaubt man jedoch, wie Sprecher Michael Kronewetter sagte, dass das Myfest als Vorwand hinhalten müsse, den sozialen und politischen Protest aus dem Stadtbezirk herauszuhalten. Reinauer bestritt dies und ging davon aus, dass noch ein Kompromiss gefunden werde.

Auf 14 Bühnen bietet "Myfest 2004" multikulturelle Veranstaltungen mit 35 Musikgruppen, sechs Theatern und drei Tanzgruppen, meinte Silke Fischer vom Netzwerk. Rote T-Shirts, die man im Stadtbezirk bald überall kaufen könne, sollen Symbol gegen Gewalt sein. "Der Sinn des 1. Mai ist nicht, dem Nachbarn das Auto anzuzünden", so Fischer. Erstmals beteiligt sich die Türkische Gemeinde, die "Prominente mit Migrationshintergrund" zum Fest geladen hat.

Unterdessen ist die Ersatzvariante für die Demo-Route vom 30. April durch die Versammlungsbehörde genehmigt worden. Der Aufzug richtet sich gegen die EU-Beitrittsfeierlichkeiten und beginnt nun um 18 Uhr am S-Bahnhof Friedrichstraße. Sie führt über den Boulevard Unter den Linden in die Universitäts-, die Tucholsky- sowie die Auguststraße und endet am Rosenthaler Platz. Die ursprünglich bevorzugte Route vorbei am Gendarmenmarkt, wo sich die Feier-Prominenz versammelt, bleibt verboten, hieß es bei der Veranstalter-Gruppe "Postpessimistin".