Presse
 
Financial Times Deutschland | 27.4.2004
Polizei auf Sicherheitsstufe eins:
Berlin zwischen Partys und Protesten
Von Astrid Maier
Eine Woche vor dem 1. Mai bereitet sich die Berliner Polizei auf einen Dauereinsatz der Superlative vor. Der Auftakt ist am Mittwoch die Antisemitismus-Konferenz der OSZE. In Berlin gilt ab da Sicherheitsstufe eins. Bis zu 50 Außenminister und Vertreter jüdischer Organisationen werden im Hotel Intercontinental erwartet, bis Donnerstag sind täglich bis zu 4000 Beamte und Sondereinheiten zu ihrem Schutz im Einsatz. Taucher suchen den Landwehrkanal nach Sprengstoff ab, Gullydeckel werden in der Innenstadt verschweißt, Papierkörbe abmontiert. Die Teilnehmer US-Außenminister Colin Powell und Israels Präsident Moshe Katzav sieht die linke Szene, die sich parallel auf den 1. Mai vorbereitet, als bevorzugte "Erzfeinde" an. Spontane Demonstrationen werden befürchtet.
Wenn die Konferenz beendet ist, reisen Regierungschefs mehrerer Länder an, um die EU-Osterweiterung zu feiern. Die gesamte EU-Kommission wird neben Stars und Prominenten am Freitag an einer Gala am Gendarmenmarkt teilnehmen. Ein paar Kilometer weiter feiern Tausende Autonome in Prenzlauer Berg ihre "Walpurgisnacht". Am Freitag wollen zudem rund 2000 EU-Gegner demonstrieren, ebenfalls für Freitag ist eine Großdemonstration von voraussichtlich 5000 Arbeitslosen angekündigt.
Am Samstag, dem 1. Mai, geht es weiter. Neben der jährlichen DGB-Demo werden Hunderttausende zur Kundgebung für gerechte Altersversorgung erwartet. Es heißt, Aufrufe im Internet deuteten auf eine größere Gewaltbereitschaft der Autonomen hin, die sich jährlich zum Randalieren in Kreuzberg treffen. Die Polizei setzt am 1. Mai 8000 Beamte ein, sie hat angekündigt, diesmal härter durchzugreifen. Am Sonntag ist Berlin um 1 Mio. Euro ärmer: So viel kostet der Einsatz voraussichtlich.
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