Presse


Die Welt | 01.05.2004

Krawalle in Berlin

Randalierer bewarfen die Polizei mit Steinen: mehr als 50 Polizisten wurden verletzt, über 100 Menschen wurden vorläufig festgenommen


Berlin - Die traditionellen Krawalle in der Walpurgisnacht sind in Berlin weniger gewaltsam als erwartet verlaufen. Wie die Polizei am Samstag mitteilte, wurden 58 Beamte leicht verletzt. Davon hätten sich drei in ärztliche Behandlung begeben. 111 Randalierer wurden vorläufig festgenommen. Sie hatten die Polizisten bei einem Konzert im Szenebezirk Prenzlauer Berg mit Steinen und Flaschen beworfen. Die Polizei war mit insgesamt 4.500 Beamten vor Ort. Wasserwerfer oder Tränengas kam nicht zum Einsatz.

Die Polizei hatte angekündigt, bereits beim Aufkeimen von Gewalt schnell und kompromisslos einzugreifen. Positiv bewertete sie, dass Krawalle in der Walpurgisnacht auf den Mauerpark beschränkt werden konnten. Auch der Einsatz so genannter Anti-Konflikt-Teams habe geholfen, Aggressionen einzuschränken. Zudem sei das Verbot, Flaschen und Dosen mitzubringen, weitgehend befolgt worden. Insgesamt besuchten den Angaben zufolge rund 5.500 Menschen das Konzert im Mauerpark.

In den vergangenen Jahren war es bei Walpurgisnachtfeiern und am 1. Mai in Berlin immer wieder zu heftigen Krawallen gekommen. Auch jetzt rechnet die Polizei wieder mit Ausschreitungen. Sie hat deswegen Verstärkung vom Bundesgrenzschutz und der Polizei anderer Bundesländer erhalten. Am Samstag sollten rund 8.000 Polizisten eingesetzt werden, über die Hälfte davon im Bezirk Kreuzberg, wo die traditionelle "Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration" stattfindet. Im Anschluss daran war es in den vergangenen Jahren regelmäßig zu Straßenschlachten gekommen.

Zu Ausschreitungen könnte es auch am Samstagmittag bei einer NPD-Demonstration im Bezirk Lichtenberg kommen, zu der nach NPD-Angaben 2.500 Teilnehmer erwartet werden. Am Freitagabend hatten in Berlin rund 1.500 Menschen gegen die Erweiterung der EU demonstriert. Nach Angaben der Polizei verlief der Protest unter dem Motto "Kommunismus statt Europa" friedlich. Anlässlich dieser Demonstration waren 1.900 Polizisten eingesetzt. Im vergangenen Jahr waren bei nächtlichen Straßenschlachten in Kreuzberg 175 Polizisten verletzt und 139 Demonstranten festgenommen worden. WELT.de/AP